Immer wieder Freitags - Die Freitagsfrage der DVH Facebook-Gruppe

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In unserem internen Hypnotiseurs-Diskussionsforum auf Facebook (https://www.facebook.com/groups/318938351481491/) wollten wir wissen:

"Welcher Ratschlag hätte euch zu Beginn eurer Hypnosekarriere gute Dienste geleistet? Welche Information, die euch auf der ersten Etappe eurer professionellen Wegstrecke nicht zur Verfügung stand (und die ihr erst später bekommen oder erworben habt), wäre für euch hilfreich gewesen?

Oder, anders gefragt: Wenn ihr einem Neu-Hypnotiseur einen Ratschlag geben dürftet - eine Sache, die für euch einen großen Unterschied gemacht hat ... welcher wäre das?"

Die Antworten waren genauso spannend wie hilfreich. Hier ein paar Highlights - die kompletten Texte können Kollegen in der Facebook-Gruppe nachlesen.

Mit vierzehn "Gefällt mir!"-Klicks und gleich an erster Stelle hat Ulrich Eckhard, DVH-Kollege aus München (www.hypnosis-praxis.de), gleich sieben Ratschläge parat:

Tipp 1: Sich immer der Verantwortung des eigenen Handelns bewusst sein und die eigenen Grenzen kennen.

Tipp 2: Es kommen nur die Klienten, die man selbst behandeln kann, also keine Angst, aber Respekt haben.

Tipp 3: Niemanden missionieren und Hypnose "aufdrängen".

Tipp 4: Hypnose nicht als Allheilmittel anpreisen.

Tipp 5: Gerne auch Klienten zu Kollegen schicken, wenn man nicht weiter weiß.

Tipp 6: Üben, üben, üben... der DVH als auch ich bieten Trainingstage an um zu üben, Supervision zu betreiben und andere Methoden kennen zu lernen

Tipp 7: Skripte lernen und dann mit den eigenen Worten formulieren.

Gerade Tipp Nummer 4 dürfte besonders wertvoll sein: Hypnose kann eine fantastische Wirkung entfalten und viele Menschen im Rahmen ihrer ganz persönlichen Veränderungsprozesse unterstützen, ist aber beileibe kein Wundermittel. Klienten, die sich eben eine Wunderheilung erhoffen, selbst aber möglicherweise nicht am Prozess mitarbeiten können oder wollen ... hier sollte man sich genau überlegen, ob man diesen Auftrag annehmen kann, will und auch soll.

Friedbert Becker (Hypnoseausbilder und Leiter des Hypnose-Instituts Phönix www.hypnose-institut-phoenix.de) rät:

"1. Verkompliziere die Sache nicht unnötig. 2. Trainiere regelmäßig deine Imaginationsfähigkeit und Gedankenkontrolle. 3. Lies und prüfe alles was du über Mesmerismus und nonverbale Techniken finden kannst."

Kollege Dirk Frese (Begründer Paranormale Heilung nach Frese ®, http://www.hypnose-erfolg.biz) aus Nordrhein-Westfalen hat folgende Tipps parat:

"1. Das wichtigste Werkzeug ist, dass Du verstehst, was Hypnose ist. Mit diesem Werkzeug kannst Du Dir dann jedes einmalig benötigte Werkzeug für deinen Kunden / Klienten anfertigen. 2. Nimm den direkten Weg und verkompliziere es nicht. und schmeiß nicht mit Pseudofachbegriffen um Dich. 3. Hypnose ist nur die Ein- und Ausleitung einer Trance durch Techniken. Entscheidend ist was zwischen Ein- und Ausleitung passiert - und das geht nicht ohne Talent. 4. Glaube nur an die Grenzen, die Du selber durch austesten erfahren hast. 5. 98% aller Hypnosebücher sind abgeschrieben und nutzlos."

Gerade Punkt 3 ist interessant - hier wird wieder einmal mehr der Unterschied zwischen Hypnose und Veränderungsarbeit deutlich. Eine Hypnose alleine muss noch keine Wirkung erzeugen - wichtig ist, dass man die Intervention auch entsprechend hilfreich gestaltet. Talent ist hier sicherlich eine gute Ressource für den Coach oder Therapeuten.

Sylvia Kuzyna (Sylvia Kuzyna Heilpraktikerin für Psychotherapie, http://www.praxis-kuzyna.de) bringt einen sehr pragmatischen Punkt mit ins Spiel, der allerdings gerade bei den ersten Schritten als professioneller Hypnotiseur gerne mal übersehen wird: "Mit dem Klienten vorab ein klares und vor allem realistisches Ziel erarbeiten und ihn unmissverständlich darüber aufklären, dass ich als Hypnotiseur kein Problem "weg machen" kann. Das mindert gleichzeitig den Erfolgsdruck.

Dr. Hans Lang (Hypnoseausbilder und Qualitätsbeiratsmitglied des DVH e.V., http://www.hypnoseseminar.de) hatte schlussendlich folgenden Tipp parat: MX.

Nur zwei Buchstaben? Was, wie bitte?

MX ... Richtig - und Kursabsolventen von Hans wissen ganz genau, was sich dahinter verbirgt. MX steht für - "macht nix". In Hypnose versprochen? Induktion versemmelt? Intervention nicht wirklich wirksam? Macht nichts - sofern man sich a) von dem vermeintlichen Misserfolg nicht irritieren lässt, sondern ihn b) als Feedback begreift und schlussendlich utilisiert - also so umwandelt, dass für den Klienten wiederum etwas nützliches daraus entsteht.

In eigenen Worten erklärt Hans das MX-Konzept so:

Eine unangenehme Situation für jeden Hypnotiseur, ob auf der Bühne, im kleinen Kreis oder im therapeutischen Setting: Die Hypnoseeinleitung funktioniert trotz positivem Vorgespräch und (zumindest scheinbarer) Bereitschaft und Erwartung von Seiten des Hypnotisanden nicht. Hat der/die Hypnotisand/In nichts verstanden? Bahnt sich am Ende gar ein Machtkampf an? Werde ich „vorgeführt“? Wie stehe ich jetzt als Hypnotiseur/In da? Manche Hypnotiseure haben in solchen Situationen schon aufgegeben.

Wenn ich mich als Hypnotiseur mit allen Sinnen auf mein Ziel konzentriere, dann sollte diese Situation kein Problem mehr sein. Dann gehe ich davon aus, dass der/die Hypnotisand/In in Hypnose gehen wird. Das ist alles. Es gibt keine Versager! Höchstens, dass ich hie und da einmal nicht auf Anhieb verstanden worden bin (oder mich nicht genügend verständlich gemacht habe). Ok, das ist menschlich. Das lässt sich nicht vermeiden.

Einer meiner Kursteilnehmer erzählte mir dazu folgendes:

„Gestern hatte ich einen Klienten zur Hypnose. Er schien gesund und intelligent, schien auch genügend motiviert. Ich demonstrierte ihm ganz schnell die „leichte und schwere Hand“ und noch irgendeinen Convincer. Er machte diese Experimente interessiert mit und schien ziemlich erstaunt darüber. Insbesondere, dass er die schwere Hand kaum noch hochhalten konnte, während die leichte Hand fast von alleine zu schweben schien.

Zur Einleitung wählte ich die „magnetischen Hände“.

Bei der Vorstellung, in beiden Händen sei ein Magnet, diese beiden Magneten zögen sich immer stärker an, blickte er neugierig auf seine Hände. Diese machten nicht die geringsten Anstalten, sich aufeinander zuzubewegen. Ich dachte nach einer Weile an meine Terminplanung und an das, was Du uns über solche Situationen erzählt hast.

Ich stellte mir vor, dass die Induktion, die Einleitung, erfolgreich beendet sei und begann zu vertiefen. „Und während Deine Hände nun immer stärker, immer schneller von diesen Magneten zusammengeführt werden, zähle ich langsam von eins bis fünf. Wenn Deine Hände sich berühren, dann lass sie einfach nach unten fallen, geh in Hypnose und wenn ich bei der fünf angelangt bin, dann bist Du so tief in Hypnose, wie Du heute kannst und willst.........“

und im nächsten Moment waren die Augen geschlossen und die Hände begannen sich immer schneller aufeinander zu zu bewegen.

Nach der Zahl fünf machte ich zur Sicherheit noch einen modifizierten Elman-Test. Ich suggerierte dem Klienten, dass die Augenmuskulatur so tief entspannt sei, dass er jetzt, jetzt im Moment, die Augen nicht öffnen könne. Als ich ihn anwies, zu versuchen, die Augen zu öffnen, dabei zu erleben, dass das nicht ginge, lachte er leise.

In der folgenden Viertelstunde kommunizierte ich mit ihm über ideomotorische Zeichen.

Anschließend erinnerte er sich nur noch, dass er die Augen nicht öffnen konnte, dass er das sehr erheiternd gefunden habe. Die lästige Gewohnheit, die ihn zu mir geführt hatte, habe er zusammengeknüllt und in den Weltraum geschossen.

An die Einleitung konnte er sich nicht mehr erinnern.“

Natürlich war (und bin) ich mächtig stolz darauf, dass ein sehr erfolgreicher Hypnotiseur sein Handwerk bei mir gelernt hat.

Was war das wesentliche an seinem Erfolg nach dem anfänglich scheinbaren Misserfolg? Sicherlich war die auf das Ziel gerichtete Intention wichtig und wesentlich.

Dennoch: zu seinem Erfolg trug etwas noch wesentlicheres bei. MX.

MX bedeutet übrigens: „macht nix!“ - Bedeutet: Misserfolg gibt es nicht. Bedeutet: Wenn es nicht geht, mach etwas anderes! Neugierig?

Übrigens: die Strategien sind auch außerhalb der Hypnose(n) immer wieder praktisch!

Über den Autor
Korbinian Burger